Bei uns bleibt niemand allein

Nachbarschaftshilfeverein „Hilfe von Haus zu Haus“ Mühlingen engagiert sich für Mitmenschen

Das Wohnen und Leben im ländlichen Raum ist für viele ein Traum. Gerade der Hegau ist durch die geografische Besonderheit der Landschaft besonders beliebt. Im Alter kann das jedoch manchmal mühsam sein. Die Wege zum Arzt, zu den Behörden oder zum Frisör sind weit und für manche Menschen oft unerreichbar. Auch geeignete Unterhaltung zu finden kann herausfordernd sein. Es bleibt nicht aus, dass Ältere oft ihr gewohntes und lieb gewonnenes Zuhause verlassen, um im betreuten Wohnen oder in einer Seniorenwohnanlage ihr Leben weiterleben zu können. Der Mühlinger Pfarrer Hartwig-Michael Benz bemängelte diese Situation schon sehr früh.

So formte sich 2008 der Verein „Hilfe von Haus zu Haus Mühlingen“, unterstützt durch die katholische Landfrauenbewegung, Pfarrer Benz sowie Manfred Jüppner und setzt genau da an, wo die Pflege aufhört. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Mühlinger Nachbarschaftshilfe ist ein professionell organisierter gemeinnütziger Verein mit hohem Qualitätsanspruch.

„Durch unsere Hilfe können ältere Menschen länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben“, berichtet Gründungs- und Vorstandsmitglied Viktoria Kunert in einem Gespräch mit dem Wochenblatt. „Wir stärken die Infrastruktur des Ländlichen Raumes. Unsere Klienten haben Ansprechpartner und wir schaffen ein individuelles Freizeitangebot.“ Der hohe Qualitätsanspruch macht sich in vielen Bereichen bemerkbar, in denen der Verein tätig ist. Die Einsatzleiterin Viktoria Kunert oder Stellvertreterin Brigitte Wegmann-Brückner machen sich zunächst ein umfassendes Bild neuer interessierter Helfer und lernen diese in persönlichen Gesprächen kennen. Erst dann wird geprüft, welcher Klient zu welchem Helfer passen könnte. Die ersten Begegnungen von Helfer und Klient finden nie alleine statt, die Einsatzleiterin ist immer dabei. Erst wenn Klient und Helfer versichern, dass sie es miteinander versuchen möchten, ist der Weg frei. Fortbildung wird bei den Mühlingern großgeschrieben. „Wir streben an, dass unsere Helfer einen der beiden für uns wichtigen Kurse „Hauswirtschaftliche Altenhilfe“ oder den Kurs „Alltagsgestalterin“ besucht haben. Zusätzlich werden weitere Kurse angeboten. Fortbildungen finden zwei bis drei Mal im Jahr statt. Selbstverständlich sind die „Erste-Hilfe-Kurse“.

Derzeit hat der Verein 87 Mitglieder und 24 Helfer. Das Alter der Helferinnen und Helfer ist sehr gemischt. Die Jüngste ist 24 Jahre alt, die Älteste 78. Das Schöne an dem Verein ist, dass niemand alleine bleibt. „Unsere Klienten erfahren nicht nur Hilfe, es entsteht eine soziale Bindung zu unseren Helfern“, berichtet Viktoria Kunert. „Unser Angebot ist äußerst vielfältig: über Fahrdienste, Betreuungseinsätze bei Menschen mit Demenzerkrankung, oder Mittagszeitenbetreuung. Besonders gerne werden unsere hauswirtschaftlichen Einsätze angenommen, also unsere Unterstützung, zum Beispiel beim Kochen und Wäschepflege“. Einen Klienten konnte man besonders unterstützen, indem man mit ihm Schach spielte. Dabei geht es nicht immer nur um die eigentlichen Klienten, sondern auch um deren Angehörige, die oft gar nicht vor Ort sein können. Dann ist es ein gutes Gefühl, dass einfach jemand da ist. Gerade um die Mittagszeit sei es besonders wichtig, dabei zu sein. Bei der Betreuung von Demenzerkrankungen ginge es darum, die Angehörigen für ein paar Stunden entlasten zu können, damit diese sich eine „Pause“ verschaffen können. Weitere Unterstützung bietet der Verein durch Spazierengehen, sogar Ausflüge werden organisiert. „Einem älteren Ehepaar ermöglichten wir zum Beispiel einen Ausflug an den Bodensee, an den Ort an dem sie sich einst kennen gelernt hatten.“, erinnert sich Kunert. Herausragend wichtig seien aber vor allem die Gespräche, betonte sie. Über diese entstünden eine große persönliche Bindung. Das sei auch der Grund, weshalb die Einsatzleiter zu Beginn genau hinsehen, wer zueinander passt.

Hilfe finden alle, von Jung bis Alt und unabhängig von Religion und Nationalität

Nicht nur die Klienten bleiben nicht allein, auch die Helfer erfahren Unterstützung. Bei Fortbildungen, aber auch beim jährlichen Vereinstreffen findet ein reger Austausch statt. Der Verein organisiert zudem den „Martinikaffee“, Spielenachmittage und ist bei der Mühlinger Kunst- und Hobbyausstellung präsent. Bei diesen Events sind die Vereinsmitglieder gerne dabei und unterstützen tatkräftig. Außerdem ist der Verein Mitglied im Nachbarschaftsvereinsnetzwerk.

Einnahmen hat der Verein ausschließlich über die Mitgliederbeiträge, Spenden und den durchaus moderaten Obolus, den die Klienten für ihre in Anspruch genommene Hilfe leisten. Unterstützung erfährt der Verein durch die politische und kirchliche Gemeinde.

Helfer werden dringend gesucht, der Bedarf sei enorm. Mitmachen kann jeder, der den Umgang mit anderen Menschen liebt und Freude am Helfen hat. „Wenn wir genügend Helfer haben, dann bleibt bei uns in Mühlingen niemand mehr allein“.

Veröffentlicht beim Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_44_Nachbarschaftshilfe.pdf

 

Ohne Gangschaltung und Bremse zum Erfolg

Kunst- und Einradsportverein „RMSV Edelweiss Aach e.V.“ begeistert junge Menschen

Als einer der ältesten Vereine in der Region blickt der Kunst- und Einradsportverein „RMSV Edelweiss Aach e.V.“ auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück. Bereits 1899 gegründet richtete er sich nach dem Bau der Sporthalle Aach 1965 zu dem aus, was er heute ist: Zu einem Verein, der junge Menschen zu Mannschaften zusammenschweißt und diese den süßen Duft des Erfolges schnuppern lässt. Der Verein zählt seit über 25 Jahren zu den besten Deutschen Hallenradsportvereinen.

Die Liste der Erfolge ist lang, wobei stets die oberen Plätze bei den Deutschen- als auch bei den Europameisterschaften gewonnen werden.

Dabei geht es den Machern in erster Linie darum, zunächst den doch durchaus außergewöhnlichen Sport zu vermitteln: die wunderschön anmutende Ästhetik, die zugleich kraftvolle Dynamik und Präzision der Bewegungen des eigenen Körpers, visualisiert durch die Übertragungen der Bewegungen auf das Kunst- oder Einrad. Dabei kommt es vor allem auf eine gleichmäßige und saubere Ausführung an. Daher spielen vor allem Beweglichkeit, Konzentration und Körperspannung eine große Rolle.

Das Schöne an diesem Sport ist seine Vielfältigkeit. In verschiedenen Altersgruppen (Schüler, Jugend, Elite) werden jeweils zwölf Disziplinen ausgetragen: 1er, 2er, 4er und 6er Kunstradfahren sowie 4er- und 6er Einradfahren.

Für die Trainerin und zweimalige Weltmeisterin Katia Gaißer ist es die Herausforderung, die 35 aktiven Sportlerinnen und Sportler in einer Mannschaft synchron zusammen wirken zu lassen. Jeder hat bei seinem Auftritt im Wettkampf oder während Showveranstaltungen seinen Platz. Schon Katia Gaißers Vater, Paul Gaißer, war Trainer beim RMSV Edelweiß und letztendlich der Lenker, um den Verein vom damaligem Radsportverein Aach zum erfolgreichen Kunst- und Einradsportverein zu wandeln.

Ohne Begeisterung keine Erfolge

127 Deutsche Meistertitel, 12 Junioren-Europameistertitel im 4er Kunstrad für Deutschland, sowie Weltmeister im 4er Kunstrad der Frauen in 2007 und 2009. Da ist es nicht verwunderlich, dass 1987 der Verein erstmals mit dem Gold-Pokal durch den Bund Deutscher Radfahrer BDR als bester Hallenradsportverein ausgezeichnet wurde. Inzwischen stehen insgesamt 18 BDR-Gold-Pokale im Trophäenschrank. Diese Erfolge können nur gefeiert werden, wenn die Teilnehmer Begeisterung für Ihren Verein und ihren Sport besitzen. Und genau das ist der Schlüssel zum Erfolg. Immer wieder gelingt es, Katia Gaißer und ihrem unterstützendem Trainerteam mit Ines und Simone Rudolf sowie Manuela Dieterle, ebenfalls Weltmeisterinnen, die Jugendlichen zu begeistern und zu motivieren.

„Regelmäßiges Training zwei bis dreimal die Woche muss schon sein. Aber bitte ohne Ausreden“, berichtet Wilfried Schwarz, Sprecher des Vereins. „Wenn uns das gelingt, dass unsere Sportler regelmäßig zum Training kommen und die Mannschaften ihre Erfolge feiern, dann nehmen sie durch den Mannschaftssport für das gesamte Leben etwas mit.“ Mal gewinnt man, mal verliert man. Und dann ist es wichtig, gestärkt aus einer Niederlage herauszugehen. Besonders freut es ihn, dass auch dieses Jahr wieder ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr der Meisterschaften im Schülerbereich ist.

Nachwuchs fördern und Integrieren

Ein Thema beschäftigt den Verein besonders. Das ist das besondere herausragende Engagement im Nachwuchsbereich. Hier engagieren sich alle, um Schüler und Junioren für ihren Verein zu begeistern und dadurch nachhaltig den Nachwuchs zu sichern. Das ist auch notwendig. Um den Verein in seiner jetzigen Größe zu erhalten, sind drei bis vier Nachwuchssportler jedes Jahr notwendig. Besonders viel Spaß machen derzeit drei Flüchtlingskinder, die zwischen sechs und neun Jahre alt sind und seit rund vier Monaten den Verein bereichern. Der gesamte Verein hilft mit, dass diese drei sich in die Mannschaften integrieren und mitmachen können.

Fahrrad fahren muss man schon können, wenn man beim RMSV „Edelweiss“ mitmachen möchte. Aber schon im Alter von fünf bis sechs Jahren kann es losgehen. Das ist das optimale Einstiegsalter. Im Durchschnitt sind die meisten Aktiven im Alter von 6 bis 20 Jahren dabei, wobei es auch Ältere gibt. Die Jüngeren sammeln zunächst Erfahrungen auf dem Einrad, bevor sie dann zum Kunstradfahren überwechseln können. Für das lange Training locken zum Teil auch weitere Reisen, da der RMSV „Edelweiss“ über die Grenzen hinaus bekannt ist. Über den Bund Deutscher Radfahrer wurden sogar Aufführungen in Australien, Japan und Amerika organisiert. Dann geht es dort ohne Gangschaltung und Bremse zum Erfolg.

Veröffentlicht beim Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_37_RSMVEdelweiss.pdf