Brauchtum und Genuss gehören zusammen

Narrenzunft Gerstensack Gottmadingen mit eigenem Braurecht hält das Brauchtum ganz hoch

Traditionell zieht am Schmotzigen Dunschtig der erste Umzug durch Gottmadingen, nachdem am Morgen die Almenholzer den Narrenbaum im Almen geschlagen, die Kindergartenkinder und Schüler befreit, und schließlich das Rathaus übernommen haben. Das ganze Dorf ist dabei und bejubelt das Stellen des Baumes. Wenn zur Fasnetzeit das ganze Dorf bunt und närrisch umhertreibt, wenn Jung und Alt gemeinsam Spaß haben und durch die vielen närrischen Aktionen das Dorf Zusammenhalt erfährt, dann sind die Macher des Vereins zufrieden. Das ist das, was sie wollen.

Der Gerstensack wird den Gottmadingern gerecht, denn das „Kleinmünchen“-Gottmadingen ist traditionell dem Bier verbunden. Daraus ist die Zunft entstanden. Das beschauliche Gottmadingen hatte bereits im 19. Jahrhundert schon immer viele Brauereien, zur Blütezeit bis zu sieben. Die Bilgerbrauerei hat schließlich mit Fasnetspielen und Theateraufführungen das Fass zum Rollen gebracht. Langsam formierte sich der Verein, um 1870 war Johann Georg Fahr, Gründer der Maschinenfabrik, Mitbegründer der Zunft. 1874 gab es schließlich das erste Narrenprotokollbuch und darf als Gründungsjahr angesehen werden.

„Der traditionelle Bieranstich wird nächstes Jahr ein riesiges Highlight, denn er jährt sich zum 40. Mal“, verrät Zunftmeister John Weber bei einem Gespräch dem Wochenblatt. Die Zunft besitzt als eine der Wenigen ein eigenes Braurecht. Gebraut wird im vereinseigenem Braustüble in der ehemaligen Fahrkantine. „Dabei wird wie jedes Jahr vom letztjährigen Ehrengerstensafter ein Nachfolger ins Amt gerufen. Für den Nachfolger ist das eine Überraschung, denn dieser weiß von nichts. Derzeit hält Karl Bernhard Ruppaner das Amt inne und wird es beim Bieranstich am 24.01. übergeben“, berichtet Weber weiter.

Weit bekannt sind die stets gut besuchten Gerstensackkonzerte, die gleich zweitägig in der Eichendorff-Halle stattfinden. Insgesamt organisiert seit Jahren der Verein an die zehn Veranstaltungen, unabhängig von den Aktivitäten der einzelnen Gruppen, die ihre eigenen Programme gestalten. Auch der Zusammenhalt innerhalb des Vereins wird durch das vereinsinterne Zunftsommerfest gestärkt.

Traditionen hochhalten und das regionale Brauchtum pflegen, diese Zielsetzung des Vereins ist deutlich am Fasnet-Mäntig zu sehen. Klassisch beginnt dieser mit einem närrisch politischen Frühschoppen in der Eichendorff-Halle, bei dem zunächst die Lokalpolitiker den Spiegel vorgehalten bekommen und schließlich erscheinen auch überregionale Politiker wie Andreas Jung oder Dorothea Wehinger auf der Bühne. Dabei kann es schon einmal passieren, dass der Tengener Bürgermeister Marian Schreier ein Windrad auf den Rücken gebunden bekommt oder Andreas Jung für seine bundespolitischen Auseinandersetzungen in ein Sumoringerkostüm gesteckt wird. Am Nachmittag beginnt der Umzug durch das Dorf, bei dem nicht nur hiesige Zünfte, sondern auch Zünfte mit längerer Anreise daran teilnehmen. Die Zusammensetzung des Umzugs ist gemischt, traditionelle Vereine vermischen sich mit den jüngeren. Fanfarenmusik mischt sich mit Guggenmusik. Der Fasnet-Mäntig wird zum Publikumsmagneten, 12.000 Zuschauer sind normalerweise dabei und lassen sich von dem bunten Treiben der rund 50 Gruppen und über 2.000 Hästräger begeistern. Anschließend, wenn sich die Umzugsgäste verteilen, wird das Dorf richtig bunt. Die befreundeten Heilsberghexen bewirten an der Hebelschule, es gibt viel Kinderprogramm. Auf der großen Außentreppe der Schule wechseln nacheinander die Guggenmusikgruppen durch. Ansonsten ist überall, wo im Dorf bewirtet wird, Musik, die die Gäste zum Feiern einlädt.

Die Narrenzunft ist mit derzeit 163 Mitgliedern, davon 139 Aktive, einer der größten Vereine in Gottmadingen. Kein anderer Verein schafft es, so viele Zuschauer zu begeistern.

Die Häs der einzelnen Gruppen wie den Heilsbergzusle, den Almenholzer oder der Gerstensackschnägge sind sorgfältig ausgewählt, schließlich sind sie das Aushängeschild der Tradition. Dabei spielen gemeinsame Werte eine große Rolle. Das Häs der Gerstensackschnägge vereinigt Gottmadinger Tradition, kann gleichwohl von Erwachsenen und Kindern getragen werden und spiegelt die Fröhlichkeit der Gottmadinger wieder.

Trotz des Traditionsbewusstseins passt sich der Verein den geänderten Bedürfnissen der Gottmadinger an. „Dieses Jahr werden wir die Jugendparty wiedereinführen. Damit vermeiden wir, dass sich die Jugendlichen auf der Kinderparty langweilen und die Kinder mit den Jugendlichen überfordert sind“, berichtet Weber. „Die Party wird für Kinder bis 12 Jahren am Fasnachtsfreitag von 16:00 bis 18:00 Uhr stattfinden, danach haben wir für die Jugendendlichen einen DJ. Diese Party läuft bis 21:00 Uhr.“

Los geht’s – traditionell wie immer – am 11.11 um 11:11 Uhr. Zur Fasneteröffnung am Schnägge Brunne und ab 19:30 Uhr wird’s in der Fahrkantine bunt. „Dort wird auch das Motto der nächsten Fasnet verkündet. Aber das wird erst dort verraten.“

Veröffentlicht im Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_43_NZGerstensack.pdf

Viel Lob für das Ehrenamt beim Jahresempfang

Gottmadingen ehrt verdiente Mitbürger in der Fahr-Kantine

Am Sonntag lud die Gemeinde Gottmadingen bereits zum siebten Mal zum Jahresempfang in die Fahr-Kantine ein. Dabei sollen in einem würdigen Rahmen verdiente Bürgerinnen und Bürger für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet werden.

Das Interesse des Jahresempfangs war überaus groß, die Fahr-Kantine war bis auf den letzten Sitzplatz besetzt. Bürgermeister Dr. Michael Klinger nutzte die Gelegenheit, den Anwesenden in seiner leidenschaftlich gehaltenen Standortbestimmung eine Rückschau und vor allem einen Ausblick auf die Projekte der Gemeinde zu geben. >> Weiter lesen im Wochenblatt <<

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