Höhlenforschen ist ihre Leidenschaft

Freunde der Aachhöhle e.V. überraschen immer wieder mit neuen Sensationen

Es ist wohl der Mix aus Abenteuerlust, Forscherdrang und Entdeckerträumen, welche die bis zu 25 aktiven Mitglieder bei ihrem außergewöhnlichen Hobby begleitet. Das Areal rund um den Aachtopf ist ihre zweite Heimat. Obwohl sie ihre gesamte Freizeit dort verbringen, sind sie für Außenstehende kaum zu sehen, denn die meiste Zeit verbringen sie tief im Inneren der Landschaft beim Graben oder Tauchen.

Die Gruppe ist vielfältig aufgestellt. Studierte Bergbauer sind nicht dabei, zu Experten sind sie nebenbei geworden. Obwohl es im Verein zwei Gruppen gibt, die Taucher und die Gräber, sind sie ein Team, es funktioniert nur als Miteinander.

Die bedeutendste Höhle ist die Aachhöhle, die den Tauchern vorbehalten bleibt, da sie sich komplett unter Wasser befindet. Diese wurde als erstes erforscht, allerdings lediglich 600 m weit, denn danach ist die Höhle verstürzt, ein Weiterkommen ist nicht mehr möglich. Daraufhin haben sich die Aachhöhlenfreunde vor 24 Jahren aufgemacht, oben auf dem Berg in einer Doline, einer Erdsenke, einen Schacht zu graben. Nach 14 Jahren war es soweit. Tauchern ist es nun möglich, hinter der Verschüttung wieder einzutauchen und Richtung Immendingen zu tauchen.

Für die Nichttaucher ist die Blätterteighöhle gegenüber am Parkplatz von besonderem Interesse. Diese ist ähnlich verzweigt wie die Aachhöhle, nur dass sie sich über Wasser befindet und mit Steinen und Lehm verfüllt ist. Dieser Lehm muss rausgeholt werden. 250 Meter haben sie bisher geschafft. Dabei hilft ihnen die selbst installierte E-Lok auf Schienen, die die Eimer nach draußen transportiert.

„Höhlenforscher sind ein besonderer Menschenschlag“, erzählt Lothar Dietrich, Vorsitzender des Vereins, in einem Gespräch dem Wochenblatt. „Wir sind nicht vergleichbar mit anderen Vereinen, wie beispielsweise einem Sportverein“, berichtet er. „Bei uns wird man dreckig, man darf keine Angst vor engen Räumen haben und spontane Grabungstermine finden manchmal abends bis in die Nacht hinein statt.“

Hat man sich erst den Schlaz, den einteiligen Overall, Helm, Licht und Handschuhe angelegt, dann macht es einem auch nichts mehr aus, sich komplett in den nassen Schlamm zu legen, um ihn aus der Höhle herauszugraben. Die Aachhöhlen sind auch nicht vergleichbar mit Schauhöhlen, sie sind enger, mit Kriechstrecken und doch voller Faszination. Die Schönheit liegt im Detail, wie zum Beispiel in dem von der Decke hängenden Blätterteig ähnlichem Tropfstein.  Um einmal größere, mit großen Tropfsteinen ausgeschmückte Höhlen oder Schachthöhlen zu besuchen, unternimmt der Verein ab und zu Ausflüge nach Frankreich. „Dort ist der Karst zugängiger und es befinden sich dort mehr Höhlen.“ Dafür kommen andere Höhlenforschervereine nach Aach, denn das Karstgebiet rund um die Donau fasziniert ganz Europa.

Wer sich in den Aachhöhlen tummelt, wird nebenbei zum Geologen. So wissen die Forscher, dass vor Millionen von Jahren bereits die Donau in dem Karstgebiet versickerte. Allerdings hat der Gletscher, der den Bodensee bedeckte und eine Endmoräne vor sich hergeschoben hat, den Aufriss bei Aach erzeugt. Vermutlich kam erst durch diese Schürfung die Aachquelle hoch. Die Forscher vermuten weiter, dass die Endmoräne des Gletschers das Höhlensystem voneinander trennte und die Blätterteighöhle eigentlich die Fortsetzung der Aachhöhle ist, denn sie ist ähnlich labyrinthisch. Aufschluss darüber werden die Grabungen bringen.

Der Traum der Forscher ist es, ähnlich wie in Blaubeuren riesige Höhlen zu entdecken.

Immer wieder werden die Forscher mit neuen Entdeckungen belohnt. Durch Wasserfärbeversuche konnte nachgewiesen werden, dass auch Wasser austritt, das von Neuhausen ob Eck stammt oder der spektakuläre Fund des nördlichsten Höhlenfisches, der jemals gefunden wurde. Von der Höhlenschmerle, wie der Fisch heißt, müssen mindestens 1.000 Individuen in dem Höhlengebiet leben, sonst sei die Population nicht lebensfähig.

Das Medieninteresse ist groß. SWR, ZDF, und ORF zeigen immer wieder Dokumentationen über die Aachhöhle.

„Es ist nicht nur die Arbeit in den Aachhöhlen, was wir in der Freizeit leisten. Viele unserer Mitglieder sind gleichzeitig Mitglieder der Baden-Württembergischen Höhlenrettung. „Bei einem Höhlenunfall sind die Möglichkeiten der regulären Hilfsdienste begrenzt. Hier haben die Höhlenretter die notwendige technische Ausrüstung und Erfahrung um gezielt zu helfen. Mit dabei sind auch höhlenerfahrene Ärzte die vor Ort bei dem Verletzten an der Unfallstell Hilfe leisten können.“

Der Verein mit insgesamt 106 Mitgliedern sucht weiter Mitglieder und Nachwuchs. Seit ca. zwei Jahren arbeitet eine Jugendgruppe mit Feuereifer mit. Jeder der Lust und Interesse hat, kann sich per Mail melden und in der Blätterteighöhle bei einem Arbeitseinsatz mithelfen um zu sehen ob ihm das „Höhlenforschen“ im Verein Spaß machen würde.

Wichtig sind für den gemeinnützigen Verein auch Spenden. Die Vielfalt ist groß, so wurden auch schon Bohrmaschinen, Beton und ein Notstromaggregat gespendet. Die EnBW war ein starker Sponsor, durch deren Spende besitzt die Doline nun Strom.

Jährlich präsentieren sich die Freunde der Aachhöhle auf dem Klosemarkt in Aach und erklären dort an Schautafeln und mit aktuellen neuen Filmen ihr Wirken. Dort können sich ebenfalls alle Interessierten informieren.

Für Lothar Dietrich ist das Höhlenforschen die „Raumfahrt des kleinen Mannes“, dieses Gefühl, wenn man einen neuen Hohlraum findet und als erster betritt. Da war vorher noch Niemand. Sozusagen wie der erste Mann auf dem Mond.“

Veröffentlicht am 06.12.2017 im Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_49_FreundederAachhoehle.pdf

Großes Herz und große Hilfe

Verein „Hilfe von Haus zu Haus e.V.“ ermöglicht Betroffenen auf der Höri ein Leben in vertrauter Umgebung

Rund 85 Helferinnen und Helfer sind mit Herz und Seele dabei, wenn es darum geht, Betroffenen zu helfen, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung wohnen zu können. Mit insgesamt 365 Mitgliedern zählt sich der Verein zu einem der größten Nachbarschaftshilfevereine der Region. Die Vorsitzende Maria Hensler initiierte 2003 die Gründung und konnte sich über ihr Erfolgsrezept freuen, denn auf der einen Seite bestand ein großer Bedarf Hilfesuchender, auf der anderen Seite bestand eine große Bereitschaft, ehrenamtlich zu helfen. Die Gründung war nicht zufällig, denn die siebenfache Mutter und Ehefrau des ehemaligen Gaienhofener Bürgermeisters musste die Erfahrung durchleben, auf Hilfe angewiesen zu sein.

Der Verein ist in Moos, Gaienhofen und neuerdings auch in Öhningen derart erfolgreich, dass er Vorbild für viele andere Vereine wurde. Bis 2016 orientierten sich über 40 Gemeinden an der Höri-Nachbarschaftshilfe und entwickelten ähnliche Konzepte.

Wer helfen möchte, befindet sich in guter Gesellschaft. Im Jahr leisten die ehrenamtlichen Helfer bis zu 19.000 Stunden an rund 95 Einsatzorten.

„Jeder kann bei uns helfen. Die einzige Voraussetzung ist, dass er anderen helfen will. Dazu braucht man lediglich ein großes, warmes Herz“, erzählt die Geschäftsführerin des Vereins Cindy Fünfschilling in einem Gespräch dem Wochenblatt.

„Oftmals reicht es, Geduld zu haben und gut zuhören oder unterhalten zu können. Unsere Helfer sind oft die Schnittstelle nach außen, auch für die weiter weg wohnenden Angehörigen.“

Insgesamt vier Einsatzleiterinnen koordinieren, planen und kümmern sich um alles, damit der Betrieb reibungslos läuft. „Wir schauen zunächst, welche Helfer zu welchem unserer Klienten passt“, erklärt Fünfschilling. „Erst wenn sich beide kennengelernt haben, geht es los. Die Möglichkeiten, sich einzubringen, sind unglaublich vielseitig. So helfen Fahrdienste zum Arzt und zum Einkaufen den Bewegungsradius der Klienten zu erhöhen. Gerne nehmen Klienten auch Haushaltsunterstützungen an. Die Helferinnen und Helfer haben einen eigenen Blick dafür, zu erkennen, wo im Haushalt Hilfe benötigt wird. Doch nicht nur Zuhause, auch in Pflegeheimen sind die Nachbarschaftshelfer gerne gesehen. Dort geht es oft darum, einfach da zu sein, Hände zu halten und Zuspruch zu geben.

Das Alter der im Verein Aktiven ist gemischt. Senioren engagieren sich besonders gerne in der klassischen Nachbarschaftshilfe, während Jüngere ihre Leidenschaft in der Kleinkindbetreuung in den Spielgruppen der „Gänseblümchen“ und „Sonnenkäfer“ sehen. Auch wird in der Küche der Hermann-Hesse-Schule in Gaienhofen an vier Tagen für die Kinder der Grund- und Hauptschule der Hermann-Hesse-Schule, sowie für den Kindergarten Horn ein warmes Mittagessen zubereitet. Da gehen schon mal 500 Essen pro Woche raus, berichtet Fünfschilling.

„Unser Ziel ist es, dass jeder so lange wie möglich zuhause in seinen eigenen vier Wänden und auch in der Dorfgemeinschaft bleiben kann“, erzählt die Geschäftsführerin. „Dabei geht es in erster Linie um die Bedürftigen. Aber auch die Angehörigen erfahren durch uns eine Entlastung.“ Es sei wichtig, nicht zu lange zu warten, oftmals kämen Angehörige psychisch und physisch völlig unerwartet an ihre Grenze. Wenn eine Pflegestufe vorliegt, sei über die sogenannte Verhinderungspflege sowie der Betreuungs- und Entlastungsleistung über die Pflegekasse entsprechende Unterstützung zu beantragen, welche die finanzielle Belastung ausgleichen würde, empfahl Fünfschilling.

Eine interessante Entwicklung verzeichnet der Verein in der Art der Anfragen. Die Einsätze verändern sich immer mehr, denn oft wünschen die Klienten die Hilfe nicht mehr wie früher einmal die Woche, sondern am besten zweimal am Tag. Dadurch werden die Einsatzorte immer zeitintensiver. Der Verein gelangt dadurch an das Limit der Leistungsfähigkeit.

Das Potenzial sei da zum Wachsen, aber man müsse sich auf den Ursprung zurückbesinnen, so das Kredo des Vorstandes. Dennoch werden weitere Helfer gesucht. Vor allem Männer würden immer mehr nachgefragt. Oftmals fehlten männlichen Klienten entsprechende Gesprächspartner, im hauptsächlich weiblich geprägten Umfeld. Gesprächsthemen wie beispielsweise „Fußball“ blieben da manchmal auf der Strecke.

Die eigentliche Finanzierung erfolgt über Zuschüsse von Gemeinden und der Kirche sowie Spenden. Mit dem Obolus, den die Klienten für die Hilfe bezahlen, wäre der Zweckbetrieb nicht finanzierbar.

Um die Helfer wertzuschätzen, organisiert der Verein zweimal im Jahr eine Vereinsfeier.  Auch werden Kurse wie Gedächtnistraining, Beckenbodengymnastik und Englischkurse für Mitglieder und Nichtmitglieder angeboten. Gerne nehmen die Helfer auch die angebotenen Fortbildungen wie den obligatorischen Erste-Hilfe-Kurs oder den Kinästhetikkurs als Hilfestellung für die Arbeit mit körperlich eingeschränkten Betroffenen an. Auch Altenhilfekurse sowie Alltagsgestalterkurse werden regelmäßig angeboten.

„Damit wird unser Vereinsleben attraktiv gestaltet. Wenn wir viele Helfer haben, können wir auch Menschen verbinden und Lebensqualität im Dorf schaffen.“

Veröffentlicht im Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_47_HauszuHaus.pdf

„Der Vulkanteufel hat uns noch gefehlt“

Die junge Narrenzunft verbindet Singener Fasnet mit Brauchtum und Moderne.

Die Singener Fasnet ist schon etwas Besonderes. Bunt, fröhlich und laut ziehen seit jeher die einzelnen Gruppen durch die Straßen und locken Hunderte von Zuschauern bei den Umzügen an die Straßenränder. Zu den wichtigsten Fastnachtsfiguren gehört bekanntermaßen die Hexe, die hier im Hegau ihr Unwesen treibt. Für die Macher der Narrenzunft Vulkanteufel hat jedoch bisher eine wichtige Figur gefehlt, denn zu Singen gehört der Hohentwiel und zu dem prächtigen Vulkanberg gehört der Vulkanteufel. Im Mai 2016 hoben daher eine Handvoll Närrische die Narrenzunft Vulkanteufel aus der Taufe. “Der Vulkanteufel hat uns auf der Straße gefehlt”, erzählt Schriftführerin Daniela Weiß dem Wochenblatt. Die Singener Fasnet, mitten in der Hegauer Landschaft, mitten zwischen den Vulkanbergen, alles voller Asche und Lava, da musste einfach der Vulkanteufel her. Zumal dieser die perfekte Ergänzung zur Hexe ist.” Und nun gilt es, im Sinne der Gemeinschaft mit anderen Vereinen zusammen das Brauchtum zu leben und mit der neu geschaffenen Figur die Fasnet noch bunter und vielfältiger zu gestalten. Eine der wichtigsten Aufgaben ist nun, mit den anderen Vereinen in Kontakt zu kommen. Das funktioniert schon ganz gut, denn den Vulkanteufel gibt es nicht nur in Singen auf der Straße zu sehen, die Zunft nimmt auch beispielsweise an den Umzügen in Gailingen und Gottmadingen teil.

Der Verein ist jung, die Erfahrungen sind weitreichend. Die Mitglieder sind alte erfahrene Hasen, die seit jeher die Fastnacht gefeiert haben und gut vertraut damit sind, wie eine Narrenzunft auszusehen hat.

„Es ist toll, was wir in diesen 17 Monaten seit der Vereinsgründung auf die Beine gestellt haben“, erzählt die Schriftführerin. „Vom eigenen Konzept, über die Gestaltung des Häs, der Beschaffung der Holzmasken bis hin zu einem „Vulkanwagen“, einem wirklich toll umgebauten Bollerwagen, der als Bar fungiert.“ Tatsächlich ist der Vulkanwagen die Anlaufstelle für Interessierte und der Treffpunkt, an dem man sich mit den Teufeln unterhalten und das eine oder andere Schnäpsle genießen kann. „Auf diesen Erfolg bin ich richtig stolz“, betonte Weiß. Erfolg mit diesem Konzept hatten sie beispielsweise beim närrischen Jahrmarkt auf dem Hohgarten. Dort fand der Vulkanwagen großen Zulauf.

Die handgemalten Holzmasken stammen von Simon Stiegeler aus dem Schwarzwald und repräsentieren echte Vulkanteufel. Während auf der linken Seite der Teufel noch einen langen Haarschweif besitzt, ist auf der rechten Gesichtshälfte durch die herunterlaufende Lava alles verkohlt. Die Fasnet soll mit viel Lärm den Winter vertreiben. Deswegen besitzt das schwarz und rot gehaltene Häs auch acht große Schellen, die deutlich zu hören sind, wenn sich der Teufel nähert.

Die Ziele des jungen Vereins sind ambitioniert. Der Vulkanteufel soll fester Bestandteil der Singener Fastnacht werden. „Wir brauchen eine tolle Truppe an Leuten, die auch außerhalb der Fasnet Spaß haben und Aktionen starten wollen.“, erzählt Weiß leidenschaftlich.

Unter Aktionen versteht der Verein auch das Engagement an sozialen Projekten, das den bisher zehn Mitgliedern äußerst wichtig ist. Sie suchen intensiv den Kontakt zu Pflege-, Kinder- und Obdachlosenheimen, um den Betroffenen in diesen Heimen etwas Abwechslung in ihrem Alltag bieten zu können. Intensiv arbeiten die Macher des Vereins derzeit daran, Kontakt zu einem Kinderheim zu knüpfen, denn gerade der Kinderumzug bietet sich mit den Vulkanteufeln besonders an. Welches Kind findet es nicht schaurig schön und gruselig, mit dem Teufel im Bunde zu stehen? Für dieses Engagement, gerade auch mit Senioren, Obdachlosen und Kindern können sich die Vulkanteufel alles vorstellen, was Spaß macht, sei es Sommergrillen, Ausflüge und alles, was vom Alltag ablenkt.

Modern sein und das Brauchtum leben ist kein Widerspruch, finden die Zunftmitglieder. Derzeit arbeiten sie intensiv an der Rezeptur des Vulkandrinks, der an der Infoveranstaltung „Singen meets Vulkanteufel“ am 25.11.17 das erste Mal ausgeschenkt werden soll. Dabei wird es sich um einen lavaroten und teuflisch-scharfen Drink handeln. Gleichzeit mixen die Teufel derzeit auch an einer kindertauglichen Variante, denn die Kinderfreundlichkeit steht bei den Teufeln im Vordergrund.

“Unser Verein bereichert die Singener Fasnet um eine weitere wichtige Figur und macht sie bunter. Und deswegen brauchen wir noch aktive und passive Mitglieder, denn es müssen zukünftig noch viel mehr Teufel auf der Straße zu sehen sein.”

Veröffentlicht im Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_45_Vulkanteufel.pdf

Bei uns bleibt niemand allein

Nachbarschaftshilfeverein „Hilfe von Haus zu Haus“ Mühlingen engagiert sich für Mitmenschen

Das Wohnen und Leben im ländlichen Raum ist für viele ein Traum. Gerade der Hegau ist durch die geografische Besonderheit der Landschaft besonders beliebt. Im Alter kann das jedoch manchmal mühsam sein. Die Wege zum Arzt, zu den Behörden oder zum Frisör sind weit und für manche Menschen oft unerreichbar. Auch geeignete Unterhaltung zu finden kann herausfordernd sein. Es bleibt nicht aus, dass Ältere oft ihr gewohntes und lieb gewonnenes Zuhause verlassen, um im betreuten Wohnen oder in einer Seniorenwohnanlage ihr Leben weiterleben zu können. Der Mühlinger Pfarrer Hartwig-Michael Benz bemängelte diese Situation schon sehr früh.

So formte sich 2008 der Verein „Hilfe von Haus zu Haus Mühlingen“, unterstützt durch die katholische Landfrauenbewegung, Pfarrer Benz sowie Manfred Jüppner und setzt genau da an, wo die Pflege aufhört. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Mühlinger Nachbarschaftshilfe ist ein professionell organisierter gemeinnütziger Verein mit hohem Qualitätsanspruch.

„Durch unsere Hilfe können ältere Menschen länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben“, berichtet Gründungs- und Vorstandsmitglied Viktoria Kunert in einem Gespräch mit dem Wochenblatt. „Wir stärken die Infrastruktur des Ländlichen Raumes. Unsere Klienten haben Ansprechpartner und wir schaffen ein individuelles Freizeitangebot.“ Der hohe Qualitätsanspruch macht sich in vielen Bereichen bemerkbar, in denen der Verein tätig ist. Die Einsatzleiterin Viktoria Kunert oder Stellvertreterin Brigitte Wegmann-Brückner machen sich zunächst ein umfassendes Bild neuer interessierter Helfer und lernen diese in persönlichen Gesprächen kennen. Erst dann wird geprüft, welcher Klient zu welchem Helfer passen könnte. Die ersten Begegnungen von Helfer und Klient finden nie alleine statt, die Einsatzleiterin ist immer dabei. Erst wenn Klient und Helfer versichern, dass sie es miteinander versuchen möchten, ist der Weg frei. Fortbildung wird bei den Mühlingern großgeschrieben. „Wir streben an, dass unsere Helfer einen der beiden für uns wichtigen Kurse „Hauswirtschaftliche Altenhilfe“ oder den Kurs „Alltagsgestalterin“ besucht haben. Zusätzlich werden weitere Kurse angeboten. Fortbildungen finden zwei bis drei Mal im Jahr statt. Selbstverständlich sind die „Erste-Hilfe-Kurse“.

Derzeit hat der Verein 87 Mitglieder und 24 Helfer. Das Alter der Helferinnen und Helfer ist sehr gemischt. Die Jüngste ist 24 Jahre alt, die Älteste 78. Das Schöne an dem Verein ist, dass niemand alleine bleibt. „Unsere Klienten erfahren nicht nur Hilfe, es entsteht eine soziale Bindung zu unseren Helfern“, berichtet Viktoria Kunert. „Unser Angebot ist äußerst vielfältig: über Fahrdienste, Betreuungseinsätze bei Menschen mit Demenzerkrankung, oder Mittagszeitenbetreuung. Besonders gerne werden unsere hauswirtschaftlichen Einsätze angenommen, also unsere Unterstützung, zum Beispiel beim Kochen und Wäschepflege“. Einen Klienten konnte man besonders unterstützen, indem man mit ihm Schach spielte. Dabei geht es nicht immer nur um die eigentlichen Klienten, sondern auch um deren Angehörige, die oft gar nicht vor Ort sein können. Dann ist es ein gutes Gefühl, dass einfach jemand da ist. Gerade um die Mittagszeit sei es besonders wichtig, dabei zu sein. Bei der Betreuung von Demenzerkrankungen ginge es darum, die Angehörigen für ein paar Stunden entlasten zu können, damit diese sich eine „Pause“ verschaffen können. Weitere Unterstützung bietet der Verein durch Spazierengehen, sogar Ausflüge werden organisiert. „Einem älteren Ehepaar ermöglichten wir zum Beispiel einen Ausflug an den Bodensee, an den Ort an dem sie sich einst kennen gelernt hatten.“, erinnert sich Kunert. Herausragend wichtig seien aber vor allem die Gespräche, betonte sie. Über diese entstünden eine große persönliche Bindung. Das sei auch der Grund, weshalb die Einsatzleiter zu Beginn genau hinsehen, wer zueinander passt.

Hilfe finden alle, von Jung bis Alt und unabhängig von Religion und Nationalität

Nicht nur die Klienten bleiben nicht allein, auch die Helfer erfahren Unterstützung. Bei Fortbildungen, aber auch beim jährlichen Vereinstreffen findet ein reger Austausch statt. Der Verein organisiert zudem den „Martinikaffee“, Spielenachmittage und ist bei der Mühlinger Kunst- und Hobbyausstellung präsent. Bei diesen Events sind die Vereinsmitglieder gerne dabei und unterstützen tatkräftig. Außerdem ist der Verein Mitglied im Nachbarschaftsvereinsnetzwerk.

Einnahmen hat der Verein ausschließlich über die Mitgliederbeiträge, Spenden und den durchaus moderaten Obolus, den die Klienten für ihre in Anspruch genommene Hilfe leisten. Unterstützung erfährt der Verein durch die politische und kirchliche Gemeinde.

Helfer werden dringend gesucht, der Bedarf sei enorm. Mitmachen kann jeder, der den Umgang mit anderen Menschen liebt und Freude am Helfen hat. „Wenn wir genügend Helfer haben, dann bleibt bei uns in Mühlingen niemand mehr allein“.

Veröffentlicht beim Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_44_Nachbarschaftshilfe.pdf

 

Brauchtum und Genuss gehören zusammen

Narrenzunft Gerstensack Gottmadingen mit eigenem Braurecht hält das Brauchtum ganz hoch

Traditionell zieht am Schmotzigen Dunschtig der erste Umzug durch Gottmadingen, nachdem am Morgen die Almenholzer den Narrenbaum im Almen geschlagen, die Kindergartenkinder und Schüler befreit, und schließlich das Rathaus übernommen haben. Das ganze Dorf ist dabei und bejubelt das Stellen des Baumes. Wenn zur Fasnetzeit das ganze Dorf bunt und närrisch umhertreibt, wenn Jung und Alt gemeinsam Spaß haben und durch die vielen närrischen Aktionen das Dorf Zusammenhalt erfährt, dann sind die Macher des Vereins zufrieden. Das ist das, was sie wollen.

Der Gerstensack wird den Gottmadingern gerecht, denn das „Kleinmünchen“-Gottmadingen ist traditionell dem Bier verbunden. Daraus ist die Zunft entstanden. Das beschauliche Gottmadingen hatte bereits im 19. Jahrhundert schon immer viele Brauereien, zur Blütezeit bis zu sieben. Die Bilgerbrauerei hat schließlich mit Fasnetspielen und Theateraufführungen das Fass zum Rollen gebracht. Langsam formierte sich der Verein, um 1870 war Johann Georg Fahr, Gründer der Maschinenfabrik, Mitbegründer der Zunft. 1874 gab es schließlich das erste Narrenprotokollbuch und darf als Gründungsjahr angesehen werden.

„Der traditionelle Bieranstich wird nächstes Jahr ein riesiges Highlight, denn er jährt sich zum 40. Mal“, verrät Zunftmeister John Weber bei einem Gespräch dem Wochenblatt. Die Zunft besitzt als eine der Wenigen ein eigenes Braurecht. Gebraut wird im vereinseigenem Braustüble in der ehemaligen Fahrkantine. „Dabei wird wie jedes Jahr vom letztjährigen Ehrengerstensafter ein Nachfolger ins Amt gerufen. Für den Nachfolger ist das eine Überraschung, denn dieser weiß von nichts. Derzeit hält Karl Bernhard Ruppaner das Amt inne und wird es beim Bieranstich am 24.01. übergeben“, berichtet Weber weiter.

Weit bekannt sind die stets gut besuchten Gerstensackkonzerte, die gleich zweitägig in der Eichendorff-Halle stattfinden. Insgesamt organisiert seit Jahren der Verein an die zehn Veranstaltungen, unabhängig von den Aktivitäten der einzelnen Gruppen, die ihre eigenen Programme gestalten. Auch der Zusammenhalt innerhalb des Vereins wird durch das vereinsinterne Zunftsommerfest gestärkt.

Traditionen hochhalten und das regionale Brauchtum pflegen, diese Zielsetzung des Vereins ist deutlich am Fasnet-Mäntig zu sehen. Klassisch beginnt dieser mit einem närrisch politischen Frühschoppen in der Eichendorff-Halle, bei dem zunächst die Lokalpolitiker den Spiegel vorgehalten bekommen und schließlich erscheinen auch überregionale Politiker wie Andreas Jung oder Dorothea Wehinger auf der Bühne. Dabei kann es schon einmal passieren, dass der Tengener Bürgermeister Marian Schreier ein Windrad auf den Rücken gebunden bekommt oder Andreas Jung für seine bundespolitischen Auseinandersetzungen in ein Sumoringerkostüm gesteckt wird. Am Nachmittag beginnt der Umzug durch das Dorf, bei dem nicht nur hiesige Zünfte, sondern auch Zünfte mit längerer Anreise daran teilnehmen. Die Zusammensetzung des Umzugs ist gemischt, traditionelle Vereine vermischen sich mit den jüngeren. Fanfarenmusik mischt sich mit Guggenmusik. Der Fasnet-Mäntig wird zum Publikumsmagneten, 12.000 Zuschauer sind normalerweise dabei und lassen sich von dem bunten Treiben der rund 50 Gruppen und über 2.000 Hästräger begeistern. Anschließend, wenn sich die Umzugsgäste verteilen, wird das Dorf richtig bunt. Die befreundeten Heilsberghexen bewirten an der Hebelschule, es gibt viel Kinderprogramm. Auf der großen Außentreppe der Schule wechseln nacheinander die Guggenmusikgruppen durch. Ansonsten ist überall, wo im Dorf bewirtet wird, Musik, die die Gäste zum Feiern einlädt.

Die Narrenzunft ist mit derzeit 163 Mitgliedern, davon 139 Aktive, einer der größten Vereine in Gottmadingen. Kein anderer Verein schafft es, so viele Zuschauer zu begeistern.

Die Häs der einzelnen Gruppen wie den Heilsbergzusle, den Almenholzer oder der Gerstensackschnägge sind sorgfältig ausgewählt, schließlich sind sie das Aushängeschild der Tradition. Dabei spielen gemeinsame Werte eine große Rolle. Das Häs der Gerstensackschnägge vereinigt Gottmadinger Tradition, kann gleichwohl von Erwachsenen und Kindern getragen werden und spiegelt die Fröhlichkeit der Gottmadinger wieder.

Trotz des Traditionsbewusstseins passt sich der Verein den geänderten Bedürfnissen der Gottmadinger an. „Dieses Jahr werden wir die Jugendparty wiedereinführen. Damit vermeiden wir, dass sich die Jugendlichen auf der Kinderparty langweilen und die Kinder mit den Jugendlichen überfordert sind“, berichtet Weber. „Die Party wird für Kinder bis 12 Jahren am Fasnachtsfreitag von 16:00 bis 18:00 Uhr stattfinden, danach haben wir für die Jugendendlichen einen DJ. Diese Party läuft bis 21:00 Uhr.“

Los geht’s – traditionell wie immer – am 11.11 um 11:11 Uhr. Zur Fasneteröffnung am Schnägge Brunne und ab 19:30 Uhr wird’s in der Fahrkantine bunt. „Dort wird auch das Motto der nächsten Fasnet verkündet. Aber das wird erst dort verraten.“

Veröffentlicht im Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_43_NZGerstensack.pdf

Ohne Gangschaltung und Bremse zum Erfolg

Kunst- und Einradsportverein „RMSV Edelweiss Aach e.V.“ begeistert junge Menschen

Als einer der ältesten Vereine in der Region blickt der Kunst- und Einradsportverein „RMSV Edelweiss Aach e.V.“ auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück. Bereits 1899 gegründet richtete er sich nach dem Bau der Sporthalle Aach 1965 zu dem aus, was er heute ist: Zu einem Verein, der junge Menschen zu Mannschaften zusammenschweißt und diese den süßen Duft des Erfolges schnuppern lässt. Der Verein zählt seit über 25 Jahren zu den besten Deutschen Hallenradsportvereinen.

Die Liste der Erfolge ist lang, wobei stets die oberen Plätze bei den Deutschen- als auch bei den Europameisterschaften gewonnen werden.

Dabei geht es den Machern in erster Linie darum, zunächst den doch durchaus außergewöhnlichen Sport zu vermitteln: die wunderschön anmutende Ästhetik, die zugleich kraftvolle Dynamik und Präzision der Bewegungen des eigenen Körpers, visualisiert durch die Übertragungen der Bewegungen auf das Kunst- oder Einrad. Dabei kommt es vor allem auf eine gleichmäßige und saubere Ausführung an. Daher spielen vor allem Beweglichkeit, Konzentration und Körperspannung eine große Rolle.

Das Schöne an diesem Sport ist seine Vielfältigkeit. In verschiedenen Altersgruppen (Schüler, Jugend, Elite) werden jeweils zwölf Disziplinen ausgetragen: 1er, 2er, 4er und 6er Kunstradfahren sowie 4er- und 6er Einradfahren.

Für die Trainerin und zweimalige Weltmeisterin Katia Gaißer ist es die Herausforderung, die 35 aktiven Sportlerinnen und Sportler in einer Mannschaft synchron zusammen wirken zu lassen. Jeder hat bei seinem Auftritt im Wettkampf oder während Showveranstaltungen seinen Platz. Schon Katia Gaißers Vater, Paul Gaißer, war Trainer beim RMSV Edelweiß und letztendlich der Lenker, um den Verein vom damaligem Radsportverein Aach zum erfolgreichen Kunst- und Einradsportverein zu wandeln.

Ohne Begeisterung keine Erfolge

127 Deutsche Meistertitel, 12 Junioren-Europameistertitel im 4er Kunstrad für Deutschland, sowie Weltmeister im 4er Kunstrad der Frauen in 2007 und 2009. Da ist es nicht verwunderlich, dass 1987 der Verein erstmals mit dem Gold-Pokal durch den Bund Deutscher Radfahrer BDR als bester Hallenradsportverein ausgezeichnet wurde. Inzwischen stehen insgesamt 18 BDR-Gold-Pokale im Trophäenschrank. Diese Erfolge können nur gefeiert werden, wenn die Teilnehmer Begeisterung für Ihren Verein und ihren Sport besitzen. Und genau das ist der Schlüssel zum Erfolg. Immer wieder gelingt es, Katia Gaißer und ihrem unterstützendem Trainerteam mit Ines und Simone Rudolf sowie Manuela Dieterle, ebenfalls Weltmeisterinnen, die Jugendlichen zu begeistern und zu motivieren.

„Regelmäßiges Training zwei bis dreimal die Woche muss schon sein. Aber bitte ohne Ausreden“, berichtet Wilfried Schwarz, Sprecher des Vereins. „Wenn uns das gelingt, dass unsere Sportler regelmäßig zum Training kommen und die Mannschaften ihre Erfolge feiern, dann nehmen sie durch den Mannschaftssport für das gesamte Leben etwas mit.“ Mal gewinnt man, mal verliert man. Und dann ist es wichtig, gestärkt aus einer Niederlage herauszugehen. Besonders freut es ihn, dass auch dieses Jahr wieder ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr der Meisterschaften im Schülerbereich ist.

Nachwuchs fördern und Integrieren

Ein Thema beschäftigt den Verein besonders. Das ist das besondere herausragende Engagement im Nachwuchsbereich. Hier engagieren sich alle, um Schüler und Junioren für ihren Verein zu begeistern und dadurch nachhaltig den Nachwuchs zu sichern. Das ist auch notwendig. Um den Verein in seiner jetzigen Größe zu erhalten, sind drei bis vier Nachwuchssportler jedes Jahr notwendig. Besonders viel Spaß machen derzeit drei Flüchtlingskinder, die zwischen sechs und neun Jahre alt sind und seit rund vier Monaten den Verein bereichern. Der gesamte Verein hilft mit, dass diese drei sich in die Mannschaften integrieren und mitmachen können.

Fahrrad fahren muss man schon können, wenn man beim RMSV „Edelweiss“ mitmachen möchte. Aber schon im Alter von fünf bis sechs Jahren kann es losgehen. Das ist das optimale Einstiegsalter. Im Durchschnitt sind die meisten Aktiven im Alter von 6 bis 20 Jahren dabei, wobei es auch Ältere gibt. Die Jüngeren sammeln zunächst Erfahrungen auf dem Einrad, bevor sie dann zum Kunstradfahren überwechseln können. Für das lange Training locken zum Teil auch weitere Reisen, da der RMSV „Edelweiss“ über die Grenzen hinaus bekannt ist. Über den Bund Deutscher Radfahrer wurden sogar Aufführungen in Australien, Japan und Amerika organisiert. Dann geht es dort ohne Gangschaltung und Bremse zum Erfolg.

Veröffentlicht beim Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_37_RSMVEdelweiss.pdf