Höhlenforschen ist ihre Leidenschaft

Freunde der Aachhöhle e.V. überraschen immer wieder mit neuen Sensationen

Es ist wohl der Mix aus Abenteuerlust, Forscherdrang und Entdeckerträumen, welche die bis zu 25 aktiven Mitglieder bei ihrem außergewöhnlichen Hobby begleitet. Das Areal rund um den Aachtopf ist ihre zweite Heimat. Obwohl sie ihre gesamte Freizeit dort verbringen, sind sie für Außenstehende kaum zu sehen, denn die meiste Zeit verbringen sie tief im Inneren der Landschaft beim Graben oder Tauchen.

Die Gruppe ist vielfältig aufgestellt. Studierte Bergbauer sind nicht dabei, zu Experten sind sie nebenbei geworden. Obwohl es im Verein zwei Gruppen gibt, die Taucher und die Gräber, sind sie ein Team, es funktioniert nur als Miteinander.

Die bedeutendste Höhle ist die Aachhöhle, die den Tauchern vorbehalten bleibt, da sie sich komplett unter Wasser befindet. Diese wurde als erstes erforscht, allerdings lediglich 600 m weit, denn danach ist die Höhle verstürzt, ein Weiterkommen ist nicht mehr möglich. Daraufhin haben sich die Aachhöhlenfreunde vor 24 Jahren aufgemacht, oben auf dem Berg in einer Doline, einer Erdsenke, einen Schacht zu graben. Nach 14 Jahren war es soweit. Tauchern ist es nun möglich, hinter der Verschüttung wieder einzutauchen und Richtung Immendingen zu tauchen.

Für die Nichttaucher ist die Blätterteighöhle gegenüber am Parkplatz von besonderem Interesse. Diese ist ähnlich verzweigt wie die Aachhöhle, nur dass sie sich über Wasser befindet und mit Steinen und Lehm verfüllt ist. Dieser Lehm muss rausgeholt werden. 250 Meter haben sie bisher geschafft. Dabei hilft ihnen die selbst installierte E-Lok auf Schienen, die die Eimer nach draußen transportiert.

„Höhlenforscher sind ein besonderer Menschenschlag“, erzählt Lothar Dietrich, Vorsitzender des Vereins, in einem Gespräch dem Wochenblatt. „Wir sind nicht vergleichbar mit anderen Vereinen, wie beispielsweise einem Sportverein“, berichtet er. „Bei uns wird man dreckig, man darf keine Angst vor engen Räumen haben und spontane Grabungstermine finden manchmal abends bis in die Nacht hinein statt.“

Hat man sich erst den Schlaz, den einteiligen Overall, Helm, Licht und Handschuhe angelegt, dann macht es einem auch nichts mehr aus, sich komplett in den nassen Schlamm zu legen, um ihn aus der Höhle herauszugraben. Die Aachhöhlen sind auch nicht vergleichbar mit Schauhöhlen, sie sind enger, mit Kriechstrecken und doch voller Faszination. Die Schönheit liegt im Detail, wie zum Beispiel in dem von der Decke hängenden Blätterteig ähnlichem Tropfstein.  Um einmal größere, mit großen Tropfsteinen ausgeschmückte Höhlen oder Schachthöhlen zu besuchen, unternimmt der Verein ab und zu Ausflüge nach Frankreich. „Dort ist der Karst zugängiger und es befinden sich dort mehr Höhlen.“ Dafür kommen andere Höhlenforschervereine nach Aach, denn das Karstgebiet rund um die Donau fasziniert ganz Europa.

Wer sich in den Aachhöhlen tummelt, wird nebenbei zum Geologen. So wissen die Forscher, dass vor Millionen von Jahren bereits die Donau in dem Karstgebiet versickerte. Allerdings hat der Gletscher, der den Bodensee bedeckte und eine Endmoräne vor sich hergeschoben hat, den Aufriss bei Aach erzeugt. Vermutlich kam erst durch diese Schürfung die Aachquelle hoch. Die Forscher vermuten weiter, dass die Endmoräne des Gletschers das Höhlensystem voneinander trennte und die Blätterteighöhle eigentlich die Fortsetzung der Aachhöhle ist, denn sie ist ähnlich labyrinthisch. Aufschluss darüber werden die Grabungen bringen.

Der Traum der Forscher ist es, ähnlich wie in Blaubeuren riesige Höhlen zu entdecken.

Immer wieder werden die Forscher mit neuen Entdeckungen belohnt. Durch Wasserfärbeversuche konnte nachgewiesen werden, dass auch Wasser austritt, das von Neuhausen ob Eck stammt oder der spektakuläre Fund des nördlichsten Höhlenfisches, der jemals gefunden wurde. Von der Höhlenschmerle, wie der Fisch heißt, müssen mindestens 1.000 Individuen in dem Höhlengebiet leben, sonst sei die Population nicht lebensfähig.

Das Medieninteresse ist groß. SWR, ZDF, und ORF zeigen immer wieder Dokumentationen über die Aachhöhle.

„Es ist nicht nur die Arbeit in den Aachhöhlen, was wir in der Freizeit leisten. Viele unserer Mitglieder sind gleichzeitig Mitglieder der Baden-Württembergischen Höhlenrettung. „Bei einem Höhlenunfall sind die Möglichkeiten der regulären Hilfsdienste begrenzt. Hier haben die Höhlenretter die notwendige technische Ausrüstung und Erfahrung um gezielt zu helfen. Mit dabei sind auch höhlenerfahrene Ärzte die vor Ort bei dem Verletzten an der Unfallstell Hilfe leisten können.“

Der Verein mit insgesamt 106 Mitgliedern sucht weiter Mitglieder und Nachwuchs. Seit ca. zwei Jahren arbeitet eine Jugendgruppe mit Feuereifer mit. Jeder der Lust und Interesse hat, kann sich per Mail melden und in der Blätterteighöhle bei einem Arbeitseinsatz mithelfen um zu sehen ob ihm das „Höhlenforschen“ im Verein Spaß machen würde.

Wichtig sind für den gemeinnützigen Verein auch Spenden. Die Vielfalt ist groß, so wurden auch schon Bohrmaschinen, Beton und ein Notstromaggregat gespendet. Die EnBW war ein starker Sponsor, durch deren Spende besitzt die Doline nun Strom.

Jährlich präsentieren sich die Freunde der Aachhöhle auf dem Klosemarkt in Aach und erklären dort an Schautafeln und mit aktuellen neuen Filmen ihr Wirken. Dort können sich ebenfalls alle Interessierten informieren.

Für Lothar Dietrich ist das Höhlenforschen die „Raumfahrt des kleinen Mannes“, dieses Gefühl, wenn man einen neuen Hohlraum findet und als erster betritt. Da war vorher noch Niemand. Sozusagen wie der erste Mann auf dem Mond.“

Veröffentlicht am 06.12.2017 im Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_49_FreundederAachhoehle.pdf