Großes Herz und große Hilfe

Verein „Hilfe von Haus zu Haus e.V.“ ermöglicht Betroffenen auf der Höri ein Leben in vertrauter Umgebung

Rund 85 Helferinnen und Helfer sind mit Herz und Seele dabei, wenn es darum geht, Betroffenen zu helfen, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung wohnen zu können. Mit insgesamt 365 Mitgliedern zählt sich der Verein zu einem der größten Nachbarschaftshilfevereine der Region. Die Vorsitzende Maria Hensler initiierte 2003 die Gründung und konnte sich über ihr Erfolgsrezept freuen, denn auf der einen Seite bestand ein großer Bedarf Hilfesuchender, auf der anderen Seite bestand eine große Bereitschaft, ehrenamtlich zu helfen. Die Gründung war nicht zufällig, denn die siebenfache Mutter und Ehefrau des ehemaligen Gaienhofener Bürgermeisters musste die Erfahrung durchleben, auf Hilfe angewiesen zu sein.

Der Verein ist in Moos, Gaienhofen und neuerdings auch in Öhningen derart erfolgreich, dass er Vorbild für viele andere Vereine wurde. Bis 2016 orientierten sich über 40 Gemeinden an der Höri-Nachbarschaftshilfe und entwickelten ähnliche Konzepte.

Wer helfen möchte, befindet sich in guter Gesellschaft. Im Jahr leisten die ehrenamtlichen Helfer bis zu 19.000 Stunden an rund 95 Einsatzorten.

„Jeder kann bei uns helfen. Die einzige Voraussetzung ist, dass er anderen helfen will. Dazu braucht man lediglich ein großes, warmes Herz“, erzählt die Geschäftsführerin des Vereins Cindy Fünfschilling in einem Gespräch dem Wochenblatt.

„Oftmals reicht es, Geduld zu haben und gut zuhören oder unterhalten zu können. Unsere Helfer sind oft die Schnittstelle nach außen, auch für die weiter weg wohnenden Angehörigen.“

Insgesamt vier Einsatzleiterinnen koordinieren, planen und kümmern sich um alles, damit der Betrieb reibungslos läuft. „Wir schauen zunächst, welche Helfer zu welchem unserer Klienten passt“, erklärt Fünfschilling. „Erst wenn sich beide kennengelernt haben, geht es los. Die Möglichkeiten, sich einzubringen, sind unglaublich vielseitig. So helfen Fahrdienste zum Arzt und zum Einkaufen den Bewegungsradius der Klienten zu erhöhen. Gerne nehmen Klienten auch Haushaltsunterstützungen an. Die Helferinnen und Helfer haben einen eigenen Blick dafür, zu erkennen, wo im Haushalt Hilfe benötigt wird. Doch nicht nur Zuhause, auch in Pflegeheimen sind die Nachbarschaftshelfer gerne gesehen. Dort geht es oft darum, einfach da zu sein, Hände zu halten und Zuspruch zu geben.

Das Alter der im Verein Aktiven ist gemischt. Senioren engagieren sich besonders gerne in der klassischen Nachbarschaftshilfe, während Jüngere ihre Leidenschaft in der Kleinkindbetreuung in den Spielgruppen der „Gänseblümchen“ und „Sonnenkäfer“ sehen. Auch wird in der Küche der Hermann-Hesse-Schule in Gaienhofen an vier Tagen für die Kinder der Grund- und Hauptschule der Hermann-Hesse-Schule, sowie für den Kindergarten Horn ein warmes Mittagessen zubereitet. Da gehen schon mal 500 Essen pro Woche raus, berichtet Fünfschilling.

„Unser Ziel ist es, dass jeder so lange wie möglich zuhause in seinen eigenen vier Wänden und auch in der Dorfgemeinschaft bleiben kann“, erzählt die Geschäftsführerin. „Dabei geht es in erster Linie um die Bedürftigen. Aber auch die Angehörigen erfahren durch uns eine Entlastung.“ Es sei wichtig, nicht zu lange zu warten, oftmals kämen Angehörige psychisch und physisch völlig unerwartet an ihre Grenze. Wenn eine Pflegestufe vorliegt, sei über die sogenannte Verhinderungspflege sowie der Betreuungs- und Entlastungsleistung über die Pflegekasse entsprechende Unterstützung zu beantragen, welche die finanzielle Belastung ausgleichen würde, empfahl Fünfschilling.

Eine interessante Entwicklung verzeichnet der Verein in der Art der Anfragen. Die Einsätze verändern sich immer mehr, denn oft wünschen die Klienten die Hilfe nicht mehr wie früher einmal die Woche, sondern am besten zweimal am Tag. Dadurch werden die Einsatzorte immer zeitintensiver. Der Verein gelangt dadurch an das Limit der Leistungsfähigkeit.

Das Potenzial sei da zum Wachsen, aber man müsse sich auf den Ursprung zurückbesinnen, so das Kredo des Vorstandes. Dennoch werden weitere Helfer gesucht. Vor allem Männer würden immer mehr nachgefragt. Oftmals fehlten männlichen Klienten entsprechende Gesprächspartner, im hauptsächlich weiblich geprägten Umfeld. Gesprächsthemen wie beispielsweise „Fußball“ blieben da manchmal auf der Strecke.

Die eigentliche Finanzierung erfolgt über Zuschüsse von Gemeinden und der Kirche sowie Spenden. Mit dem Obolus, den die Klienten für die Hilfe bezahlen, wäre der Zweckbetrieb nicht finanzierbar.

Um die Helfer wertzuschätzen, organisiert der Verein zweimal im Jahr eine Vereinsfeier.  Auch werden Kurse wie Gedächtnistraining, Beckenbodengymnastik und Englischkurse für Mitglieder und Nichtmitglieder angeboten. Gerne nehmen die Helfer auch die angebotenen Fortbildungen wie den obligatorischen Erste-Hilfe-Kurs oder den Kinästhetikkurs als Hilfestellung für die Arbeit mit körperlich eingeschränkten Betroffenen an. Auch Altenhilfekurse sowie Alltagsgestalterkurse werden regelmäßig angeboten.

„Damit wird unser Vereinsleben attraktiv gestaltet. Wenn wir viele Helfer haben, können wir auch Menschen verbinden und Lebensqualität im Dorf schaffen.“

Veröffentlicht im Wochenblatt unter: https://www.wochenblatt.net/fileadmin/Archiv/2017/Vereinstrophy/2017_47_HauszuHaus.pdf